Greiwing

Eine Aussage wird in Gesprächen über unsere Branche immer wieder getroffen: Männer dominieren die Logistik. Tatsächlich: Dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung zufolge waren 2015 nur 20,2 Prozent der rund 2,8 Millionen Beschäftigten weiblich. Wir sind diesem Phänomen auf den Grund gegangen – rein statistisch sowie im Gespräch mit dem GREIWING-Geschäftsführer und einer weiblichen Führungskraft.

Mit den Frauen in der Logistikbranche ist das so eine Sache. Sie sind dort unterrepräsentiert. Soviel steht fest. Hier drängen sich ein paar Fragen auf: Warum ist das so? Sind die Zahlen für alle Berufsbilder und Hierarchiestufen gleich? Verändert sich das Geschlechterverhältnis? Und wie finden Frauen das eigentlich selbst?

Frauen in der Logistik – das sagt die Statistik

Auf der Suche nach Antworten haben wir uns zunächst statistische Daten angesehen. Leider gibt es zu dem Thema kaum verlässliche, aktuelle Zahlen. Auf folgende Feststellungen sind wir dennoch gestoßen:

2015 waren 20,2 Prozent der Beschäftigten in der Logistik weiblich (Quelle: Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung), darunter:

  • 27,5 Prozent im Bereich Fracht und Umschlag
  • 24,5 Prozent im Bereich Spedition
  • 12,8 Prozent unter den Fahrer/innen

Verzerrte Wahrnehmung

In der öffentlichen Wahrnehmung scheint es häufig, als wäre der Frauenanteil in der Logistik noch geringer. Der Grund dafür ist, dass weibliche Beschäftigte oft in den weniger sichtbaren Abteilungen von Logistikunternehmen arbeiten.

Differenziert wird häufig zwischen mobilen und nicht-mobilen Tätigkeiten.

  • Mit ersteren sind zum Beispiel das Lkw- oder Staplerfahren gemeint sowie Arbeiten in Werkstätten – gleichzeitig auch die sichtbaren Logistikberufe.
  • Nicht-mobile Tätigkeiten umfassen kaufmännische Berufe, also etwa Personalwesen, Buchhaltung und Sekretariat.

Während Frauen in Fahr- und Lagerberufen eher selten zu finden sind, gibt es durchaus viele Kauffrauen. Als Grund dafür wird die körperliche Überlegenheit von Männern genannt.

Tätigkeitsübergreifend scheint die Branche aber frauenfreundlicher zu werden. Dafür ein paar Beispiele:

  • Da Lkw immer stärker durch Technologien unterstützt werden, ist die körperliche Überlegenheit bald kein stichhaltiges Argument mehr für Männer in Fahrerberufen.
  • Auch der Fachkräftemangel führt dazu, dass die Akzeptanz von Frauen auch in Fahrerberufen steigt.

Frauen bei GREIWING

Wir wollten das genauer wissen und haben im eigenen Unternehmen nachgefragt. Gesprochen haben wir dazu mit dem Geschäftsführer Jürgen Greiwing und der Niederlassungsleiterin in Raunheim, Stephanie Künzel.

Wie ist das Verhältnis Männer/Frauen bei GREIWING?

Jürgen Greiwing: Insgesamt haben wir aktuell ein Verhältnis von 11:1 bei unseren über 700 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Unterscheiden wir jedoch zwischen Mitarbeiter-Kreisen, variieren die Zahlen stark. Folgende Tabelle verdeutlicht das:

Mitarbeiter-Kreis Verhältnis (gerundet)
Gewerbliche Angestellte 37 : 1
Kaufmännische Angestellte 3 : 1
Azubis 4 : 1
Gesamt 11 : 1

Über die Jahre ist der Frauenanteil bei GREIWING deutlich gestiegen und es zeichnet sich ab, dass sich dieser Trend fortsetzt. Speziell auf unsere Ausbildungsplätze bewerben sich immer mehr Kandidatinnen – und fangen dann auch bei uns an.

Welche Entwicklungsperspektiven haben Frauen bei GREIWING?

Stephanie Künzel: Gute. Das zeigt glaube ich auch mein Werdegang. Ich bin Niederlassungsleiterin und habe nicht den Eindruck, dass bei GREIWING zwischen den Geschlechtern unterschieden wird. Es geht vielmehr um Engagement, Leistung und Persönlichkeit. Um zum Beispiel eine Führungsposition zu bekleiden, muss man sich durchsetzen können. Das gilt für Männer und für Frauen.

Gibt es Unterschiede in der Bezahlung?

Jürgen Greiwing: Bei der Bezahlung ist das Geschlecht definitiv kein Entscheidungskriterium. Männer und Frauen werden nach Verantwortung und Leistung gleichermaßen vergütet.

Stephanie Künzel: Geht es da nicht bei jedem Arbeitgeber immer auch ein bisschen um das Verhandlungsgeschick? Bei Männern und bei Frauen. Ich glaube nicht, dass jemand denkt, er könnte Frauen grundsätzlich weniger zahlen, nur weil sie Frauen sind.

Warum sind Frauen in Logistikberufen wichtig?

Jürgen Greiwing: Frauen bereichern unsere männerlastige Branche. Auch in den gewerblichen Funktionen, zum Beispiel als Staplerfahrerin, stehen Frauen meiner Meinung nach mit ihrer Arbeitsleistung den Männern in nichts nach. Grundsätzlich haben wir die Erfahrung gemacht, dass Teams aus Männern und Frauen insgesamt besser harmonieren, und sich dadurch die Produktivität erhöht.

Wie fühlt es sich an, als Frau in der Logistikbranche zu arbeiten?

Stephanie Künzel: Ich finde das super. Mir war von vornherein klar, dass ich hier nicht viele Kolleginnen haben würde. Trotzdem habe ich mich explizit für ein Logistikstudium entschieden und bin dann diesen Weg auch weitergegangen. Ich arbeite gern mit Männern zusammen. Das ist unkompliziert. Und wenn es mal ruppig zugeht, darf man das nicht persönlich nehmen. Grundsätzlich würde ich keiner Frau davon abraten, in dieser Branche zu arbeiten.

Frau Künzel, wie finden Sie es eigentlich, dass der Frauenanteil in dieser Branche so gering ist?

Stephanie Künzel: Wie ich schon sagte, arbeite ich gerne mit Männern zusammen und habe daher kein Problem mit ihrer Dominanz in der Branche. Aber natürlich würde ich mich auch über ein paar Kolleginnen mehr freuen. Ich denke, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis ist nie von Nachteil. Allerdings muss man auch akzeptieren, dass viele Frauen einfach nicht in der Logistik arbeiten möchten.

Was müsste sich ändern, damit mehr Frauen den Weg in die Logistik finden würden?

Stephanie Künzel: Das große Problem ist glaube ich, dass Frauen oft gar nicht auf die Idee kommen, in dieser Branche zu arbeiten. Die Logistik ist paradoxerweise so verdammt weit von der alltäglichen Lebenswelt vieler Frauen entfernt, dass sie auf den ersten Blick uninteressant erscheint. Zu zeigen, wie sehr logistische Aktivitäten jeden von uns täglich betreffen, wäre die beste Werbung für diese Branche.

Was können Sie als Unternehmen tun, um den Frauenanteil zu erhöhen?

Jürgen Greiwing: Ganz klar: Frauen einstellen und ihnen Perspektiven bieten. Ich habe ja schon gesagt, dass es uns auf die Leistung ankommt. Kein Mann wird bei uns eingestellt, nur weil er ein Mann ist. Aber eben andersherum auch keine Frau, nur damit sich der Anteil an weiblichen Beschäftigten im Unternehmen erhöht. Es muss einfach passen. Wir beschäftigen ja schon zunehmend weibliche Azubis. Das wird mittelfristig dazu führen, dass sich das Verhältnis ändert. Aber natürlich müssen da auch alle Betriebe der Branche an einem Strang ziehen.